Ökologisch finanzieren – wie geht das?

Einfamilienhaus

Sogenannte grüne Geldanlagen haben sich schon Mitte der 90er Jahre in Deutschland etabliert. Kunden suchten nach Möglichkeiten, ihr Geld ökologisch und ethisch sauber zu investieren, ein Trend, der ungebrochen anhält.

Das Gegenstück zu Anlagen im klassischen Bankgeschäft sind Kredite. Zunehmend mehr Kreditnehmer sind inzwischen auch auf der Suche nach „grünen“ Krediten. Wer heute ein Haus baut, achtet darauf, möglichst energieeffizient und umweltgerecht zu bauen. Die Kosten sind jedoch in der Regel höher, als eine Bauweise im traditionellen Sinn, möglichst noch ohne Fotovoltaik, aber dafür mit Ölheizung. Die höheren Baukosten für ein ökologisch ausgerichtetes Gebäude müssten also über günstigere Zinsen kompensiert werden.

Der ÖkoBauKredit der Ethikbank

ökoglosch & nachhaltig
Die Ethikbank geht diesen Weg. Der ÖkoBauKredit subventioniert ökologische Baumaßnahmen. Je mehr auf traditionelle Baustoffe und klassische Energieversorgung verzichtet wird, um so niedriger fällt der Zins aus. Grundlage für die Klassifizierung der Baustoffe sind einschlägige Gütesiegel. Neben den Baustoffen gilt noch energieeffizientes Bauen als Kriterium für einen Zinsabschlag. Gleiches gilt für den Einsatz regenerativer Energien. Pro erfülltem Kriterium erhält der Kreditnehmer einen Zinsnachlass von 0,1 Prozent, in der Summe immerhin 0,3 Prozent. Bei einem Kreditvolumen von 150.000 Euro macht dies anfänglich immerhin 450 Euro im ersten Jahr aus.

Alternative zur KfW

Nach wie vor gilt die KfW als erster Ansprechpartner bei Darlehen für energieeffizientes Bauen und den Einsatz regenerativer Energie. Die Kredite wurden im Rahmen der Finanzierung über das Institut beantragt, welches die restliche Finanzierung übernahm. Im Fall der Ethikbank entfällt diese doppelte Antragstellung, da das Darlehen direkt von der Bank begeben wird. Die Konditionen müssen sich nicht hinter denen der KfW verstecken und bieten daher eine echte Alternative zu den bisherigen Fördermöglichkeiten. Die Baufinanzierung der Ethikbank richtet sich jedoch nicht nur an diejenigen, die neu bauen möchten. Diese Konditionen gelten auch bei einer Umschuldung, beim Kauf einer Bestandsimmobilie und bei Renovierung oder Sanierung. Darüber hinaus verzichtet die Ethikbank auf bonitätsabhängige Zinsspannen, die Konditionen sind damit von Anfang an transparent.

Der Ökokredit – kein Novum am Markt

Bereits am 24.3.2012 schrieb die Frankfurter Rundschau: „Wer zusätzlich zum guten Zinssatz auch noch ein gutes Gewissen haben möchte, wird bei der Thüringer Ethikbank fündig.“ Sowohl der ÖkoKredit als auch der ÖkoBauKredit sind seit 2009 Bestandteil des Produktportfolios der Ethikbank. Dabei dient der Ökokredit in erster Linie der Finanzierung von Fotovoltaikanlagen. Der Ökokredit kann sowohl für Baumaßnahmen, eben Fotovoltaikanlagen, ohne Grundbuchbestellung verwendet werden, als auch für andere ökologische Investitionen. Dazu zählt beispielsweise der Kauf eines Elektroautos oder die Erstellung kleinerer Windkraftanlagen. Der Zinssatz ist ebenfalls nicht bonitätsabhängig, staffelt sich aber nach der Laufzeit. Angeboten werden Zinsbindungen von bis zu fünf Jahren, fünf bis zehn Jahren und länger als zehn Jahre.

Die Ethikbank

Die Ethikbank wurde als Direktbank im Rahmen des Firmenmantels einer Zweigniederlassung der Volksbank Eisenberg in Thüringen gegründet. Das Unternehmen versteht sich als „gläserne Bank“. Dahinter verbirgt sich, dass die Kunden bereits darüber abgestimmt haben, in welche Wertpapiere die Bank die Kundengelder bei Spareinlagen reinvestieren darf. Ethisch korrekte Anlagekriterien stehen in der Priorität vor dem Zinsertrag.

Es versteht sich von selbst, dass als K.o-Kriterien unter anderem

  • Aktien von Waffenherstellern
  • Unternehmen, die Nahrungsmittel gentechnisch verändern
  • Unternehmen aus der Kernenergie
  • Firmen mit unsozialen Arbeitsbedingungen

zählen. Die Resonanz auf dieses Geschäftsmodell war überwältigend, inzwischen zählt die Direktbank mehr Kunden als das Mutterhaus. Das Geschäft mit grünem Geld boomt, wie auch die Zeitschrift Finanztest in ihrer Onlineausgabe vom 7.11.2014 bestätigt. Eines steht fest, die Kunden der Ökobanken sind im Gegensatz zu vielen anderen Anlegern unbeschadet aus der Bankenkrise und der Goldman-Sachs Pleite hervorgegangen. Am Ende waren weniger Zinsen dann doch mehr. Mit zunehmendem Umweltbewusstsein der Hauseigentümer werden auch ökologische Aspekte bei der Kreditvergabe immer wichtiger, der ÖkoBauKredit ist ein Schritt in diese Richtung.

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