Kredite gibt es nur nach Punktvergabe – Sinn und Unsinn der Score-Wertberechnung


Der Score-Wert ist das neue Damoklesschwert im Kreditwesen. Banken suchen nach Möglichkeiten, die Kreditwürdigkeit besser abschätzen zu können – Verbrauchschützer kritisieren die Intransparenz der Messung.

Patrick Meier ist gerade nicht zu beneiden. Der diplomierte Ingenieur hat noch nie ein Konto überzogen. Die Kreditkarte benutzt er nicht und auch sonst lebt er eher bescheiden und ohne Pump. Doch die Kombination von seinem Wohnort (einer kleinen Stadt in Ostdeutschland) und seinem Alter (männlich und unter 30 Jahre) macht es für ihn fast unmöglich, einen zinsgünstigen Kredit zu erhalten. Schuld daran ist der Score-Wert. Er ist für viele Banken die einzige Möglichkeit, die Kreditwürdigkeit der Kunden und damit das Unternehmensrisiko einordnen zu können. Beim Fall, dass keine Schulden vorhanden sind, bei dem werden einfach andere Werte zur Berechnung herangezogen. So auch bei Herrn Meier. Er hat das Problem, dass Kredite von Nachbarn möglicherweise nicht oder nur verzögert zurückbezahlt wurden. Das sogenannte Geo-Scoring wird von Verbraucherschützern besonders kritisiert. Auch einige Versandhäuser arbeiten nach diesem System. Der Kunde muss in diesem Fall womöglich in Vorkasse treten, wenn er sich Ware nach Hause schicken lässt. Beim Versand auf die Arbeitsstelle oder zur Wohnung der Freundin ist die Lieferung auf Rechnung möglich. Das nur, weil sich die Adresse in besserer Nachbarschaft befindet. „Das Scoring-Verfahren hat bereits in der Vergangenheit zu kontroversen Diskussionen zwischen Bankinstituten auf der einen und Verbraucherschützern auf der anderen Seite geführt“, erklärt Hisni Hasani, Experte für Kreditlösungen. Eine Verbesserung des eigenen Score-Werts ist durch die Vielzahl der Bewertungskomponenten kaum möglich.

Das System Score-Wert

Bei der Berechnung fliessen verschiedene, personenspezifische und unabhängige, Merkmale mit ein. Diese müssen nicht ausschliesslich negativ sein. So werden die Haftanordnung, eine eidesstattliche Versicherung und das Insolvenzverfahren ebenso einbezogen wie positive und negative Zahlungserfahrungen. Die Score-Vergabe ist bei den Institutionen unterschiedlich. So wird bei der SCHUFA dem Kreditnehmer ein Wert zwischen 1 und 1000 zugesprochen. Je niedriger der Wert, desto größer ist die Ausfallwahrscheinlichkeit. Kunden mit einer besonders guten Bewertung erhalten entsprechend zinsgünstige Konditionen. Bankkunden mit einem niedrigeren Score-Wert haben hingegen schlechte Karten. Sie dürften wohl deutlich mehr für einen Kredit bezahlen. „Die Armen zahlen in diesem System deutlich mehr“, so Hasani.

Was passiert mit meinen Daten?

Kredite werden in der Regel drei Jahren nach Tilgung aus dem System gelöscht. Der Score-Wert ist jedoch nicht die einzige Berechnungsmethode, die Banken zur Kreditvergabe heranziehen. Bei langjährigen Kunden spielen auch Erfahrungswerte eine grosse Rolle. „Der Verbraucher sollte sich vor Kreditaufnahme über seinen Score-Wert informieren“, rät Hisni Hasani. Banken und auch Versandhäuser sind verpflichtet, Auskünfte zu erteilen. Weigern sie sich, sollte sich der Kunde an die jeweilige Datenschutzbehörde wenden. Beim Onlinevergleichsportal Credisa erhält der Kunde zudem ausführliche Beratung, Transparenz und immer den zinsgünstigsten Kredit.

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